Barfen - Unser Thema im September

Auch in unserer Praxis sehen wir bei den Hundehaltern eine gewisse Tendenz, ihre Hunde mit rohem Futter zu füttern. "BARF" steht für Biologisch Artgerechtes Rohes Futter oder ursprünglich Bones And Row Food.
Diese Art der Fütterung soll in Anlehnung an die Futteraufnahme der wildlebenden Hundevorfahren erfolgen. Barfen ist nicht ohne weiteres mit artgerechter Fütterung gleichzusetzen. Auch mit Barfen kann man Fehler machen!
Es besteht dabei die Gefahr eines Mangels und andererseits auch die einer Überversorgung mit Nährstoffen.
In Barf-Rationen können Spurenelemente, vor allem Kupfer, Zink und Jod, fehlen. Auch zweimalige Fischfütterung pro Woche kann unter Umständen keinen Jodmangel verhindern.
Falls keine Leber (Rind, Kalb, Hühner) verfüttert wird, könnte ein Vitamin-A-Mangel resultieren. Vitamin-D-Mangel könnte eine Folge von mangelnder Lebertrangabe sein.
Knochen sind ein guter Kalziumspender. Aber Vorsicht! Zu viel an Knochen kann den Enddarm mit betonfestem Knochenkot verstopfen - eine akute Gefahr für den betroffenen Hund. Knochen können die Schleimhaut oder sogar die Darmwand verletzen. Knochen wie Beinscheibe oder Kalbsknochen sollten nicht mehr als 5% des Gesamtfleischanteils ausmachen. Der Anteil an Geflügelhälsen darf bis 10% der Fleischration betragen.
Auf ein hygienisches Problem bei der Rohfütterung muß ich noch hinweisen:
Rohes Fleisch kann Bakterien wie Salmonellen, Escherichia coli, Campylobacter, Shigellen, Yersinien, Clostridium botulinum, Bacillus cereus, Listerien und Staphylococcus aureus tragen. Vor allem bei der Verfütterung von Geflügelfleisch muß auf Hygiene geachtet werden. Eventuell muß Geflügel gegart verabreicht werden.
Auch Protozoen, wie Toxoplasmen, Sarkosporidien und Neospora caninum können im Rohfleisch vorkommen wie auch Bandwurmfinnen. Die Verfütterung von rohem Schweinefleisch verbietet sich ohnehin (Aujeszki-Virus).

Um Fütterungsfehler beim Barfen zu vermeiden, sollte eine Rationsprüfung durchgeführt werden. Hilfen dazu findet man im Internet. In dieser Frage können Sie sich auch an unsere Praxis wenden.
Zusätzlich bieten wir noch die Erstellung eines Barfprofils an. Hier wird eine Blutprobe entnommen, an das Speziallabor versandt und hier auf wesentliche Stoffwechselparameter untersucht. Das ist mit gewissen Einschränkungen durchaus eine Hilfe.
Die oft gehörte Meinung, man müsse einem Tier einen Nährstoffmangel ansehen, bestätigt sich in der Praxis oft nicht.

In diesem Sinne also viel Erfolg beim Barfen. Auf alle Fälle schmeckt´s.

Wenn Sie mich fragen, wie wir unsere Hündin füttern: Wir vertrauen auf ein hochwertiges Trockenfertigfutter aber ein Mal pro Woche gibt es eine große Portion Rindfleisch. Sie will´s so.